im Roland-Ärztehaus
Der Roland in Stendal
  • Erste Erwähnung eines Rolands im Ort: 1525
  • Neuaufstellung: 1974
  • Material: Elbesandstein
  • Schöpfer: Denkmalpflege Magdeburg (Bildhauer Volker Deutschewitz und Manfred Luder)
  • Höhe: 5,41 m, Gesamthöhe mit Sockel 7,80, Schwertlänge 4,39
  • Aussehen: Der Roland trägt einen Reliefharnisch (entspricht der Zeit zwischen 1510 und 1535) Die Harnischbrust ist gewölbt und kanneliert. Sehr gut zu erkennen sind die Achseln mit Brechrändern und Vorderflügen. Auch alle anderen Harnischteile, wie die Bauchreifen und die Arm- und Beinzeuge sind recht genau wiedergegeben. Auf dem Kopf trägt er einen Wulst mit dahintergestecktem Federbusch. Das Haar quillt vorne, zu Locken gedreht und fällt hinten bis zum Nacken herab. Schnurrbart. Ein Medaillon an einer Kette hängt auf der Brust. Es zeigt den Hl. Georg, den Schutzpatron der Ritter zu Pferde, den Drachen tötend.
    In der Rechten erhebt er das Schwert, mit der Hand in Schulterhöhe; in der Linken hält er ein Schild mit dem Brandenburgischen Adler.

    Es ist das ältere Stendaler Stadtwappen. Stützpfeiler mit Bildwerk. Drei Reliefdarstellungen am Pfeiler sind anscheinend Eulenspiegel-Bilder. Mit dem Roland kann der Eulenspiegel nicht in Verbindung gebracht werden.

  • Bemerkungen: Auf der Vorderseite des Stützpfeilers erscheine zwei Figuren. Ein auf einer Muschelschale stehender Mann. Der eine Säule und so den Roland stützt. Er trägt die damalige Kleidung der Handwerker, deshalb könnte es eine Selbstdarstellung des Schöpfers sein. Darunter ist eine hockende Figur zu sehen, die einen Gegenstand (Spiegel?) betrachtet, den sie in der rechen Hand hält. Auf der Rückseite fällt eine Narrenfigur auf, in der die Stendaler den Eulenspiegel sehen.. In der rechten Hand hat er einen Dudelsack, in der linken das neuere Stadtwappen, wie es heute noch geführt wird. Ganz unten ist ein verwittertes Flachrelief zu sehen, dass von einigen Forschern ebenso als Eulenspiegel bezeichnet wird.

Der Roland vor der Gerichtslaube (Zusätzliche Erläuterungen)

Im Südosten der Altmark, wo sich die Strassen von Hamburg, Bremen und Lüneburg vor Überschreiten der Uchte-Niederung und Elbe vereinigen, gründete 1160/1165 der Markgraf Albrecht der Bär Stendal. Die Stadt erhielt Magdeburger Recht, Zollfreiheit und Münzrecht. Die Marienkirche (erste Erwähnung 1283) entstand im Siedlungskern der Kaufleute und Handwerker. Der Tuchhandel blühte. Die Stadt hatte schon früh Beziehungen zu Lübeck und war Mitglied der Hanse von 1359 bis 1517. Erst der 39jährige Krieg leitete den Niedergang ein.

Stendaler Roland, nach Beckmann, 1753
Stendaler Roland, nach Beckmann, 1753
Das altehrwürdige Stendaler Rathaus, ein Backsteinbau aus mehreren zu verschiedenen Zeiten entstandenen Baugruppen (Gewandhaus-, Corps- und Laubenflügel), wurde im wesentlichen im 15. Jahrhundert errichtet. Das Rathaus bildet zusammen mit der hochragenden Westfassade der Marienkirche und deren beiden 84 m hohen Türmen eines der reizvollsten architektonischen Ensembles der an Sehenswürdigkeiten reichen altmärkischen Stadt.

Vor der Gerichtslaube des Rathauses steht seit 1525 eine Kollossalfigur aus Sandstein, der Roland, dargestellt als Ritter im Plattenharnisch der Renaissance. In der rechten Hand hält er ein entblößtes Schwert und der linken einen Schild, der ein älteres Stadtwappen trägt, einen Adler mit zwei ausgezackten Quadranten unter den Fängen. Er hält das mächtige Schwert gerade in der rechten Faust in Schulterhöhe. Seine linke Hand fasst ebenso in Schulterhöhe den relativ kleinen Schild mit dem brandenburgischen Adler. Der Roland macht den Eindruck einer versteinerten riesigen Schildwacht. Dazu passt die ganze Stellung des Körpers. Die etwas gespreizten Beine und die sichere Körperhaltung erwecken die Vorstellung, dass der Recke sich bewusst ist, recht lange Zeit auf diesem Standort zu stehen.

Der Kopfschmuck besteht aus Straußenfedern und kann ikonographisch im Sinne von Blumenkronen, Blumenkranz, Efeukranz oder eine Krone gedeutet werden. (z.B. Kopfzierde der Rolande in Halle, Brandenburg, Nordhausen, Neustadt und Questenberg.)

Die Reliefdarstellungen des Stützpfeilers sind ein eigenartiges Kunstwerk mit vielen Deutungsmöglichkeiten, die auch zu gegenteiligen Interpretationen geführt haben. Die vordere Seite des Pfeilers zeigt zwischen den Rolandsbeinen zwei Figuren. Oben, in Kniehöhe, hält ein Mann mit Vollbart leicht gebückt mit beiden Händen die Stütze für den Roland über seinem Kopfe. Er ist in Arbeitskleidung. An seinem Gürtel hängen Winkelmass und Lineal. Es ist ein Meister dargestellt. Wahrscheinlich handelt es sich um den Bildhauer, der den Roland geschaffen hat. Nach alter Sitte trägt der Meister die Last seines Werkes. Eine alte Deutung im Sinne einer Gerichtssymbolik basiert auf folgender Beschreibung. "Vorn an der Säule befindet sich eine Figur zwischen den Beinen des Rolands,. Eine Geissel oder ein Strick spielt um ihre Hände". Die untere Figur ist auch anders dargestellt, als man heute das Bild interpretiert: "Unter dieser Figur sitzt auf einem Steinwürfel ei grinsender Affe, mit einer Scheibe in der Hand, etwa einem Spiegel". Auf dem unteren Bild befindet sich kein Affe, sondern ein etwas krumm sitzender, bartloser Mann. Er hält mit der rechten Hand einen runden tellerartigen Spiegel hoch. Das Bild erinnert an eine Eulenspiegel-Darstellung aus dem Jahre 1515. Mit der linken Hand greift der Mann nach einem auf dem Boden liegenden Stein. Auch der Stein ist ein Kennzeichen des Narren.

Die Reliefdarstellung auf der Rückseite des Stützpfeilers zeigt oben (im Hochrelief) und unten (im Flachrelief) ebenso den Eulenspiegel. Oben sitzt ein kahlköpfiger Narr, der mit der Linken das Stadtwappen von Stendal, mit der Rechten den Dudelsack hält und sich eine riesige Geldtasche umgebunden hat. Eulenspiegel liess sich in Helmstadt aus drei Ochsenhäuten eine riesige Geldtasche anfertigen. Ganz unten im Flachrelief sieht man trotz starker Verwitterung einen Narren mit Schellenkappe, der sich den Mund mit beiden Händen aufreisst.

Dass die beiden Narrenköpfe an der Rückseite des Stützpfeilers zur Ratsstube blicken, erklärt sich aus der Zuständigkeit des Rates zur Bestrafung geringfügiger Delikte, die in vielen Orten durch kurzfristiges Gefangenhalten im Narrenhaus oder Narrengatter erfolgte. Der Eulenspiegel mit der Geldtasche sieht zugleich dorthin, wo der Marktmeister damals Zoll- und Wiegegeld vereinnahmte.

Obwohl der Roland sich vor der Gerichtslaube befindet, bestehen keine zuverlässigen Hinweise, dass der Roland in Beziehung zum Thinggericht, zum peinlichen Halsgericht oder gar zum Vollstreckungsort für Hinrichtungen gestanden hat. Der erst unter den Hohenzollern mögliche Erwerb der hohen Gerichtsbarkeit fällt ebenfalls als Anlass zur Aufrichtung des Rolands aus.

Der Roland ist ein Rechtssymbol - ein Wahrzeichen der städtischen Rechte und Freiheiten. Unter der Freiheit einer Stadt verstand man deren Unabhängigkeit von Landesherren, die Stendal bis 1488 weitgehend besass. Die mittelalterlichen Städte waren aus der Feudalordnung weitgehend entlassen. Sie besassen eine Freiheit, die se zuvor nicht gegeben hatte. Hierfür stand auch der Stendaler Roland. Er ist ein Zeichen der Freiheit ein Signum libertatis, von Freiheiten und Privilegien (vorwiegend Handels- und Zollprivilegien), die der altmärkischen Stadt Stendal zu Reichtum und Ansehen verholfen haben.

Urheberrechtsvermerk: Die Bilder und Texte auf dieser Seite wurden dem Buch "Das magische Dreieck: Rolandfiguren im europäischen Raum zwischen Bremen - Riga - Dubrovnik", Autor Nikolai Popov, R. ZIETHEN Verlag, Oschersleben 1993, entnommen. Mit freundlicher Genehmigung DR. ZIETHEN Verlag, Oschersleben, Friedrichstr. 15a, 39387 Oschersleben.
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